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Pilzerkrankungen der Nägel (Onychomykosen)

Pilzerkrankungen nehmen an Häufigkeit in unserer industrialisierten Welt immer weiter zu. Jeder dritte Deutsche leidet heute unter einer Mykose, einer Erkrankung, die durch Hautpilze (Dermatophyten) hervorgerufen wird. Zu den häufigsten Pilzinfektionen gehören die Nagelpilzinfektionen, die Onychomykosen. Heute glaubt man, dass sich eine Onychomykose, ein Nagelpilz, immer aus einem Fußpilz heraus entwickelt. Sehr oft wird der Zehenzwischenraum besiedelt. Die Feuchtigkeit dort ermöglicht es den Pilzen, sich auf der Haut festzusetzen, in sie einzudringen und sie dabei zu zerstören. Die Pilzinfektion kann sich, wenn sie nicht wirksam behandelt wird, von den Zehenzwischenräumen bis hin zur Nagelspitze ausdehnen. Die Pilzerkrankung an den Zehen ist 4 mal häufiger als an den Fingernägeln. Eine besonders große Gefahr sich zu infizieren, besteht jedoch an den Orten, an denen es feucht und warm zugleich ist, z.B. in Schwimmbädern, Saunen u.s.w. Bestimmte Faktoren begünstigen die Entstehung einer Onychomykose.

Ob eine Nagelveränderung durch Pilze hervorgerufen wird, kann durch ein Mikroskop festgestellt werden. Die Art der Pilze, ob Dermatophyten, Schimmelpilze oder Hefen entscheidet eine sogenannte „Kultur“. Die Behandlung der Onychomykosen durch Extraktion des Nagels gilt heute als absolut obsolet. Danach folgten Cremes oder Gele, die auf den Nagel aufgetragen wurden und dort hafteten, aber nicht eindringen konnten. Pilzinfizierte Nägel kann man auch durch Tabletten, die vom Arzt verschrieben werden müssen, behandeln. Wegen der starken Nebenwirkungen sollte diese Behandlungsmethode aber abgewägt werden. Heute nimmt man medizinische Nagellacke, die man in der Apotheke kaufen kann. Eine gute Beratung ist hier unbedingt sehr wichtig.

Ihre Apothekerin
A.Kehrmann

Hintergrund-Informationen zum Thema Pilzinfektionen

Was sind eigentlich Pilze?
Im täglichen Sprachgebrauch denkt der Laie beim Begriff "Pilze" oft an die pflückbaren Speisepilze oder die oft an Baumrinden sichtbaren "Pilzkörper". Diese, mit blossem Auge sichtbaren "Pilze" sind in Wirklichkeit aber nur die Fruchtkörper der Pilze, es handelt sich dabei um ein enges Geflecht (Myzel) aus sogenannten Hyphen. Den eigentlichen "Pilz" kann man nur unter dem Mikroskop beobachten, denn er ist ein Mikroorganismus mit Zellgrößen im Mikrometer-Bereich (millionstel Meter). Pilzzellen sind meist fädige Strukturen (bei Dermatophyten und Schimmelpilzen) oder es sind kugelige bis eiförmige Zellen bei den Hefen.

Abgrenzung zu Pflanzen und Tieren
Neben den Bakterien (einzellige Mikroorganismen, noch ohne eigenen Zellkern sogenannte “Prokaryonten”, Karyos: der Kern) lassen sich die Lebewesen mit echtem Zellkern (die sogenannten “Eukaryonten”) im Prinzip in die drei Gruppen Pflanzen, Tiere und Pilze einteilen. Eine Möglichkeit, Ordnung in die Vielfalt der Organismen zu bringen und sie in logische Gruppen einzuteilen, ist, sich anzuschauen, wie bei ihnen der Energie- und Stoffwechsel ausgebildet ist:

Alle Lebewesen müssen zum Erhalt ihrer Lebensfunktionen ständig für Nachschub sorgen: sie benötigen einerseits ständig neue Energie, andererseits ständig neues “Baumaterial”, sprich Kohlenstoff, für den Aufbau organischer Verbindungen. Unter organischen Verbindungen versteht man sogenannte “Kohlenwasserstoff-Moleküle”, die bekanntesten sind Kohlenhydrate, Fette, sowie Aminosären und die daraus gebildeten Eiweisse (Proteine). In fast allen Zellkomponenten und Geweben finden sich diese Stoffe, sie sind elementar für Zellaufbau und Funktion.

Pflanzen
Die chlorophyllhaltigen grünen Pflanzen sind in der Lage, im Prozess der Photosynthese mit Hilfe der Sonnenenergie den Kohlenstoff aus der Luft (Kohlendioxid) und den Wasserstoff aus dem Wasser (H2O) in organische Verbindungen (z.B.Stärke) zu überführen: man sagt, sie sind “autotroph“, sie können sich quasi von “Luft und Wasser“ ernähren.

Tier und Mensch
Im Gegensatz hierzu sind alle Tiere (und der Mensch ist in diesem Sinne quasi auch nur ein Tier) auf die Zufuhr von energiehaltigen, organischen Stoffen von aussen angewiesen: ob Pflanzen- oder Fleischfresser, auf jeden Fall müssen wir alle “Nahrung“ zu uns nehmen. Man sagt, Mensch und Tier sind “heterotroph“, sie müssen sowohl den Kohlenstoff als auch die benötigte Energie zum Leben aus der zugeführten Nahrung im Prozess der Verdauung “aufschließen“ und zugänglich machen.

Pilze
Die Pilze stehen irgendwie etwas “zwischen“ dem Pflanzen- und Tierreich: sie erscheinen oft von ihrer Morphologie her wie Pflanzen, können aber nicht wie diese “selbständig“ aus anorganischen Grundstoffen (Kohlendioxid der Luft) und dem Wasserstoff des Wassers energiereiche organische Stoffe synthetisieren. Pilze (besonders die Fruchtkörper der höheren Pilze) erinnern uns oft an Pflanzen, sind aber wie die Tiere “kohlenstoff-heterotroph“, können die Strahlungsenergie der Sonne nicht verwerten.

Was macht einen Pilz zum Krankheitserreger? Wann sind Pilze pathogen?
Dies ist eine sehr interessante Frage, denn wie wir wissen, sind wir ja quasi ständig von Mikroorganismen (Bakterien und Pilzen) umgeben. Tatsache ist sogar, dass wir viele sogenannte “Saprobionten”, die sich von totem oder abgestoßenem organischen Material ernähren, in grosser Zahl auf und in uns tragen: so sind typischerweise in unserer Mundflora Streptokokken, in unserer Darmflora Escherichia coli Bakterien zu finden. Neben den Bakterien findet man aber auch Pilze (insbesondere bestimmte Candida Hefe-Pilze) bei rund 70% der untersuchten gesunden Probanden z.B. In der Speiseröhre, im Magen und im Darm. Zu gesundheitlichen Problemen kommt es meistens dann, wenn unser Immunsystem geschwächt ist und das körpereigenene Abwehrsystem nicht mehr hundertprozentig funktioniert.

Worin besteht die eigentliche Schadwirkung beim Nagelpilz?
Im Reich der Pilze unterscheidet man Dermatophythen (Fadenpilze), Hefepilze (“Hefen“) und Schimmelpilze. Da Pilze, wie soeben geschildert, heterotrophe Organismen sind, müssen sie sehen, wo sie ihre Nahrung herbekommen. Hier gibt es viele Spezialisten, erstaunlicherweise haben manche Pilzarten Enzym-Systeme entwickelt, mit denen sie diverse organische Stoffe “aufschließen“ können. Hier finden wir auch einen der Gründe dafür, dass manche Pilze für den Menschen pathogen sein können: so besitzen z.B. manche Dermatophyten das Enzym Keratinase, mit dem sie das Keratin in Hornsubstanzen “aufbrechen“ können. Keratin findet sich unter anderem in den oberen Hautschichten wie auch in unseren Zehen- und Fingernägeln. Diese bestehen aus einem Geflecht von helixartig verdrehten Proteinketten. Mit der Keratinase können die Pilze die Verkettung zwischen den Protein-Fäden aufbrechen, um so an die Aminosäuren der Proteine heranzukommen.

Man kann also sagen, dass in diesem Falle unsere Fuß- und Fingernägel diesen Dermatophyten als “Nahrungsquelle“ dienen. Durch den enzymatischen Angriff wird die Nagelstruktur geschädigt und führt letztendlich zum klinischen Bild der “Onychomykose“ (Nagelpilz). Dieser wird in ca. 80% der Fälle hervorgerufen durch den Pilz Trichophyton rubrum, ein Dermatophyt. In selteneren Fällen handelt es sich um einen Hefepilz, dann meistens hervorgerufen durch Candida albicans.