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Ein Blick zurück in die Geschichte unserer Apotheke

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Unsere Apotheke vor 100 Jahren

Ein interessanter Blick zurück in die damalige Zeit

 
 
Das Jahr 1907 war - zumindest für Haßlinghausen - ein ganz besonderes: die Glückauf-Apotheke eröffnet ihre Offizin an der Mittelstraße, unsere Geschäftsräume befinden sich noch immer im selben Haus. Bei einem Blick auf die alten "Lichtbilder" von damals werden Sie das Gebäude unschwer sofort wiedererkennen, bis auf einige kleine bauliche Veränderungen hat es sein Aussehen im Wesentlichen beibehalten.


Eine Apotheken-Eröffnung war damals schon allein auf Grund der Tatsache etwas besonderes, dass die Versorgung der Bevölkerung mit z.T. lebenswichtigen Medikamenten vor allem in kleineren Ortschaften noch längst nicht optimal war. Eine solche Apotheken-Dichte, wie wir sie heute z.T. in Großstädten vorfinden, war damals undenkbar. Erst seit der der kommunalen Gebietsreform in den 1970er Jahren gliedert sich die Stadt "Wacholderhügel" (= "Spurkinhuvelo" = "Sprockhövel") in die heutigen Stadtteile: Niedersprockhövel, Obersprockhövel, Haßlinghausen, Hiddinghausen, Gennebreck, Herzkamp, Schee, Bossel, Schmiedestraße, Niederstüter und Horath. Unsere Apotheke hatte insbesondere für die umliegenden kleineren Stadtteile (damals noch eigenständige Ortschaften) eine große Bedeutung, was die Versorgung mit Medikamenten anging.

Unsere Apotheke trägt das “Glück“ in ihrem Namen

Alter Bergmannsgruß als Namensgeber für unsere Apotheke


Es war damals sehr naheliegend, den alten Bergmannsgruß “Glück Auf!“: als Namensgeber für unsere Apotheke zu verwenden, denn bekanntermaßen gilt Sprockhövel als die “Wiege des Ruhrkohlebergbaus“. Im 18. Jahrhundert wurde die Kohle hier noch im Tagebergbau gewonnen, die Zeche "Glückauf" in Gennebreck war mit 17 beschäftigten Kumpeln damals die größte Zeche in der Region. Allerdings war es auch genau die Zeit um die Jahrhundertwende (1900), als die tiefergelegenen Flöze im nördlichen Ruhrgebiet bessere Abbaumöglichkeiten boten und die Sprockhöveler Bergbauregion ab da zunehmend an Bedeutung verlor: die letzte aktive Sprockhöveler Zeche “Alte Haase“ stellte 1968 ihren Betrieb ein.

Interessanterweise spiegelt offensichtlich auch das jeweilige Firmenlogo den Lauf der Bergbaugeschichte wieder: der damalige Inhaber, Apotheker E. Brecht setzte noch deutlich auf die “Schlegel“ (Schachtel-Etikett Foto 1 und Firmenschild an der Hausfassade: Foto 2). Zwischenzeitlich blieben beim Apotheker E. Querfurt von der bergmännischen Symbolik nur noch der Gruß “Glückauf“ übrig, während die heutige Inhaberin, Apothekerin Frau Kehrmann, mit dem Logo eine neue Richtung einschlug: sie wählte das bergmännische “GlückAuf“ in Kombination mit dem Kleeblatt als Glücks-Symbol. Bitte beachten Sie die damaligen Telefonnummern: sie waren noch dreistellig (“Fernruf Hasslinghausen 329“) sowie vierstellig: (“Ruf Gevelsberg 2529“).

Im Jahr 1907 tickten die Uhren noch anders

Sensation: erstmals "weibliche Ärzte" und "weibliche Apotheker"

Vor 100 Jahren herrschten noch ganz andere gesellschaftliche Regeln und Konventionen: so kam es quasi einer Sensation gleich, als im Jahre 1901 die erste Frau in Deutschland ihr medizinisches Staatsexamen (an der Universität Halle) ablegen konnte. 1906 promovierte die erste Frau an der medizinischen Fakultät Heidelberg. In Preussen (und Haßlinghausen war preussisch) mussten Frauen noch bis zum Wintersemester 1908/1909 warten, in Mecklenburg sogar bis zum Sommersemester 1909!

Als die Glückauf-Apotheke im Jahre 1907 in Haßlinghausen ihre Pforten öffnete, gab es erst ca. 100 Ärztinnen, und zwar landesweit! Ja, der Begriff "Ärztin" war bis dato völlig unbekannt, man sprach von "weiblichen Ärzten". Auch "Weibliche Apotheker" waren damals etwas völlig Neues!

"Der Bundesrath hat in seiner Sitzung am 20. ds. Mts. den Beschluss gefasst, dass auch Frauen zu den medizinischen Prüfungen, sowie zu den Prüfungen der Zahnärzte und Apotheker im Deutschen Reiche zugelassen werden sollen."

Über diese Nachricht vom 22. April 1899 in der Zeitschrift "Medicinische Reform" können wir heutzutage nur noch schmunzeln.

Kunterbuntes aus dem Jahre 1907

Nachrichten aus Haßlinghausen und dem Rest der Welt


1907 wird die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr gegründet

Haßlinghausen bekommt eine Straßenbahn (die Trasse führte über die Mittelstrasse, direkt an unserer Apotheke vorbei)

Die 12 km lange Bahn führte von Haßlinghausen über Gevelsberg und Milspe nach Voerde. In Haßlinghausen bestand Anschluß an die Straßenbahn nach Wuppertal.

Der Arbeiter Wilhelm Kraft aus Haßlinghausen heiratet 1907 Franziska von Reth

Nach dem späteren Gemeindevorsteher / Bürgermeister von Haßlinghausen ist unter anderem die "Wilhelm-Kraft-Strasse" sowie die "Wilhelm-Kraft-Schule" benannt.

1907 ist auch die Geburtsstunde der Farbphotographie: der französische Chemiker Louis Jean Lumière stellt der Öffentlichkeit die ersten farbigen Lichtbilder vor.

1907 gibt es in Hattingen erstmalig elektrisches Licht

Bei der Eröffnung der ersten öffentlichen Badeanstalt am Wannsee bei Berlin im Jahre 1907 hagelt es Proteste gegen diese "Unsittlichkeit"

Alphonse Laveran erhält 1907 den Nobelpreis für Medizin
" in Anerkennung seiner Arbeit über die Rolle, die Einzeller als Krankheitserreger spielen

Lilian Harvey, britisch-deutsche Schauspielerin und Sängerin, wird am 19.01.1907 geboren

Katherine Hepburn, US-amerikanische Schauspielerin, wird am 12.05.1907 geboren

Zarah Leander erblickt im Jahre 1907 das Licht der Welt